Vertiefungen der Unterweser

Ökologisch riskant und wirtschaftlich unnötig

26.05.2026
Harriersand

Bei einem Besuch auf der Weser-Insel Harriersand haben sich Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen über die möglichen Folgen einer Vertiefung der Unterweser informiert. Auswertungen von BUND und WWF zufolge nutzt die Schifffahrt auf der Unterweser den bereits möglichen Tiefgang kaum aus. Dazu sagen Britta Kellermann, umweltpolitische Sprecherin, und Stephan Christ, Sprecher für maritime Wirtschaft der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Niedersächsischen Landtag:

 

Britta Kellermann, umweltpolitische Sprecherin:

 Die Unterweser ist eine ökologisch wertvolle Region, die jetzt schon durch Aus- und Umbauten zur Schifffahrt beeinträchtigt ist. Eine Vertiefung der Unterweser würde wertvolle Flachwasserlebensräume zerstören und zu einer Verlandung von Nebenarmen führen. Salzhaltiges Brackwasser würde weiter flussaufwärts vordringen und damit durch Versalzung Süßwasserlebensräume und Bewässerungssysteme gefährden.

 Auch mit Blick auf die Folgen der Klimakrise lehnen wir eine Vertiefung der Unterweser ab. Aktuelle Daten belegen, dass die Unterweserregion durch den Klimawandel und den Anstieg des Meeresspiegels akut bedroht ist. Höhere Deiche werden aber wirkungslos, wenn wir gleichzeitig die Weser vertiefen und Sturmfluten damit noch schneller und mit mehr Wucht ins Landesinnere drücken. Auch auf den Atommüll-Zwischenlagerstandort am früheren AKW Unterweser könnte sich dies verheerend auswirken.

 

Stephan Christ, Sprecher für maritime Wirtschaft:

 Die Unterweser gehört für die Schifffahrt zur Infrastruktur, die zum Warentransport nach Brake benötigt wird. Gleichzeitig ist sie aber wertvoller ökologischer Lebensraum. Beide Aspekte dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

 Eine Vertiefung der Unterweser ist teuer und unnötig. Schon jetzt ermöglicht die Unterweser bis zum Hafen Brake einen Tiefgang von 11,60 Metern. Eine optimierte Nutzung des schon heute möglichen Tiefgangs sollte ernsthaft als umweltverträglichere Alternative geprüft werden, um die am Hafen Brake umgeschlagenen Gütermengen zu erhöhen. Als moderner und spezialisierter Seehafen wird Brake auch ohne Vertiefung ein führender Hafen für Agrar- und Forstprodukte bleiben.


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